Schenkung Mary bauermeister

Umkehrung der deutschen Flagge, 2015 

Teil der Ausstellung "Rösrath wird zur Galerie"

Seit 2011 verfolgt die international renommierte Künstlerin Mary Bauermeister (* 1934, Frankfurt am Main) die Kunstaktion „Umkehrung der deutschen Flagge“ in gemalter Form. Die Anfänge dieses Projekt dafür liegen jedoch weit zurück und werden von Bauermeister wie folgt zusammengefasst:
„Zurückgekehrt nach Deutschland in den 70er Jahren bewegte mich immer mal wieder die Idee, die deutsche Flagge umzudrehen, Gold oben, Schwarz unten. Sensibilisiert durch Japser Johns ‚Flaggen-Porträts’ habe ich mich überhaupt erst mit dem Thema Nationalflagge auseinandergesetzt.

Als der Künstler Ossi Schomaker (SOMA signiert er seine Werke) mit seiner Familie in meinem Gartenhaus lebte, flammte die Idee wieder auf. Bei einer von Peter Busmann organisierten Ausstellung zum Thema ‚Frieden’, versuchten wir (SOMA und ich) die Idee umzusetzen, durch das Hissen der Flagge in der umgekehrten, für uns richtigen Reihenfolge. Der Vorschlag wurde abgelehnt. Die Wiedervereinigung schien uns eine weitere gute Gelegenheit.

Dann ab 2006 als die Flagge durch die Fußball-WM im öffentlichen Raum geradezu inflationär auf uns alle einwirkte, entschied ich mich das Thema künstlerisch anzugehen.

Ab 2011 begann ich gemalte Flaggen mit Gold oben an öffentliche Einrichtungen zu verschenken. Michael und Ute Berger haben das Projekt finanziell und mit Ideen bereichert. Künstler gibt es viele, die mitgewirkt haben.“

Mary Bauermeister ist eine der profiliertesten deutschen Künstlerinnen der Nachkriegszeit und eine der wenigen mit internationalem Renommee. Seit über sechzig Jahren ist sie künstlerisch aktiv, davon eine Dekade in New York. Ihr Atelier in Köln von 1960-62 gilt als Geburtsstätte der Fluxus-Bewegung und der Kunststadt Köln. In ihm kam es zu ersten Veranstaltungen und Performances von unter anderem Nam June Paik, John Cage, Otto Piene und David Tudor in Deutschland. Mit ihrem späteren Ehemann, dem Komponist Karlheinz Stockhausen, entstand als Reaktion auf die Ereignisse im Atelier die Gemeinschaftsarbeit „Originale“, das 1961 im Theater am Dom aufgeführt wurde und bis heute als multimediales Avantgardewerk legendär ist.

Nach einer Einzelausstellung im Stedelijk Museum Amsterdam im Jahr 1962, zog sie nach New York, wo sie als eine der ersten Künstlerinnen vom Kunstmarkt akzeptiert wurde. Zahlreiche Ausstellungen in Museen und Galerien sowie Ankäufe der wichtigsten institutionellen und privaten Sammlungen folgten. Seit den frühen siebziger Jahren ist Bauermeister in ihre Wahlheimat Köln zurückgekehrt, ihr Atelierhaus in Rösrath steht mit dem dazugehörigen Garten jeden ersten Sonntag im Monat von 11-15 Uhr Besuchern offen.

Das mannigfaltige Œuvre bewegt sich zwischen den Themenfeldern Kunst, Poesie, Musik, Mathematik und Wissenschaft, alles im Verbund mit gesellschaftlichen Diskursen. Eine Symbiose aus Kunst und Leben, die sich in Skulptur und Objektkunst, Malerei und Zeichnung, Land-Art und Performance äußert. Ihre Werke sind unter anderem im Besitz des Museum of Modern Art, des Whitney Museum, des Guggenheim Museum, alle in New York, des Hirshhorn Museum in Washington, des Stedelijk Museum in Amsterdam sowie des Museum Ludwig in Köln, des Wilhelm Hack Museum in Ludwigshafen und des Staatlichen Museum Schwerin. Dazu kommt eine weltweite Ausstellungstätigkeit in Gruppen- und Einzelpräsentationen.
Der Bezug für die „Umkehrung der deutschen Flagge“ ist ein kolorierter Kupferstich des Hambacher Fests aus dem Jahr 1832. Auf ihm ist die spätere deutsche Nationalflagge mit der Farbreihenfolge Gold – Rot – Schwarz von oben nach unten zu sehen. Als ein Symbol des Aufbruchs wurde es durch den Ruf: „Aus der Finsternis der Knechtschaft, durch blutigen Kampf, ins goldene Licht der Freiheit“ unterstützt. Für die heutige Zeit aktualisiert Bauermeister diese Aussage zu: „Aus der Kraft der Erde, durch die Macht der Liebe (Mitmenschlichkeit) in die Transzendenz.“ Die Farbsymbolik kann dabei exemplarisch am Schwarz nachvollzogen werden: „unten nährt es als Symbol der Erde, oben drückt es nieder.“

An die historisch korrekte Farbsymbolik möchte Bauermeister mit ihrer Kunstaktion wieder anknüpfen. Jede öffentliche Institution, die das Kunstwerk für Besucher zugänglich macht, bekommt ein handgemachtes Unikat kostenlos als Dauerleihgabe gestellt. Die „Flaggen“ sind mit Acrylfarbe auf Leinwand gemalt und in Bauermeisters „Pünktchentechnik“ gestaltet, die sie Ende der 1950er Jahre entwickelt hat. Zusätzlich ist mit Steinen im schwarzen unteren Feld das Wort Erde modelliert, dies lässt die natürlichen Konnotationen im Betrachter noch verstärkt hervortreten. In vielen deutschen Städten wurde bereits ein Exemplar übergeben, unter anderem in Schwerin, Wiesbaden, Köln, Wuppertal, Koblenz, Weimar, Potsdam, Bergisch-Gladbach und Neuss.

Ziel ist es, der Öffentlichkeit wieder die ursprüngliche Farbreihenfolge der deutschen Nationalflagge aufzuzeigen und die damit verbundene Farbsymbolik hervortreten zu lassen. Eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber der Vergangenheit und der Zukunft, ohne den Zusatz von Gewalt, ist das Ziel der Aktion.

„Es ist eine ästhetische und energetische Korrektur und ich erhoffe mir davon, dass Deutschland wieder ein Volk der Dichter, Denker und Künstler wird. Ich distanziere mich auf jeden Fall von der ‚rechten Szene’. Es geht mir nicht um eine nationale Rückbesinnung. Ich erhoffe mir eine Zukunft, in der Nationalflaggen überflüssig sind.“

Weitere Infos unter "Rösrath wird zur Galerie".